Unternehmensbesuch des Bolschoj-Theaters

Im Druckraum fünf Stockwerke unter der Erde
Wenige Meter vom Geschehen auf der Bühne entfernt

Am 11. Februar 2015 bot sich für das Team des Alumninetzwerks „hallo deutschland!“ mit Studierenden und Alumni die Möglichkeit, wortwörtlich hinter die Kulissen des Bolschoj-Theaters zu blicken.

Zu Beginn der Führung wurden die Teilnehmer zwischen dem Mitte des 19. Jahrhunderts erbauten Hauptgebäude begrüßt, das die Historische Bühne beherbergt, und den Nebengebäuden des Theaterkomplexes. Ein Mitarbeiter von Bosch Rexroth, der von 2008 bis 2013 an der Installation der Technik im Bolschoj-Theater beteiligt war, führte die Teilnehmer zunächst fünf Stockwerke unter die Erde, wo sich der Druckraum mit einem 50 000 l Öl fassenden Tank und 39 Stickstoffflaschen befindet. Diese sind dazu da, die hunderte Tonnen schwere Bühne des Theaters zu bewegen.

Nächste Station der Führung war die beeindruckend weiträumige Hinterbühne, auf der Kulissen während der Vorstellung zusammengebaut und deren einzelne Elemente gehoben und verschoben werden können. 23 Hebestangen für Kulissen befinden sich alleine in diesem Teil der Bühne, auf der Hauptbühne weitere 79. Jede dieser Stangen trägt bis zu einer Tonne Gewicht und wird mit Hilfe von Seilen bewegt, deren Spulen und Steuerung sich im zehnten Stock des Gebäudes befinden.

Auch diesen Teil konnten die Teilnehmerbesichtigen und sich von der modernen Technik, den Eisenkonstruktionen und der Vogelperspektive auf die Bühne beeindrucken lassen. Hier wurde ihnen auch die Brandschutzvorrichtungen des Theaters erklärt, die neben einem eisernen Vorhang und Brandschutztüren aus beweglichen Dachteilen bestehen. Auf beiden Seiten der Bühne kann ein 29 Meter langer und drei Meter breiter Teil des Dachs um zwei Meter nach oben gehoben werden, um im Brandfall der Rauchentwicklung mehr Platz zu bieten und einer möglichen Explosion vorzubeugen.

Nach der Klettertour über die Gitterböden im zehnten Stock wurde die Besuchergruppe in den Unterbau der Bühne geführt, wo sie die technischen Vorrichtungen für die Bewegung der Podien bestaunen konnten. Feinste Millimeterabstimmung sorgt hier für reibungslose Abläufe während der Aufführung.

 

Eine solche bildete den krönenden Abschluss der Besichtigung, denn inzwischen hatte das Orchester sich eingestimmt und der Vorhang sich gehoben. Am Bühnenrand hinter den Kulissen beobachtete die Gruppe von „hallo deutschland!“ die Tänzer bei ihren Aufwärmübungen und konnten das Theaterleben hautnah miterleben. Aus nächster Nähe blickten wir auf die Bühne und bewunderten die Aufführung des Balletts „Giselle“ von Adolphe Adam, die an diesem Abend auf dem Spielplan stand.

Mit diesen Eindrücken hielt die Führung für jeden Geschmack spannende Momente bereit, von technischen bis musikalisch-künstlerischen Interessen. Sie bot ungewöhnlichen Einblicke und hervorragenden Erklärungen der technischen Vorrichtungen, die die weltberühmten Aufführungen des Bolschoj-Theaters ermöglichen.

Im Mittelpunkt der Führung standen vor allem die Installationen der Firma Bosch Rexroth AG, dem weltweiten Technologieführer auf dem Gebiet hydraulischer Antriebe. Neben dem Bolschoj-Theater hat Bosch Rexroth AG u. a. auch die Opernhäuser in Oslo, Köln und Bayreuth technisch erneuert. Die hochmoderne Bühnentechnik im Bolschoj-Theater wurde zwischen Juli 2005 und Oktober 2011 installiert. Die Kosten für Umbau und Erneuerung werden auf bis zu 35 Milliarden Rubel geschätzt. Während der Zeit des Umbaus war das Theater komplett geschlossen.